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Auch die Lehre ist Bildung, nicht nur die Schule!

Der große Fachkräftemangel in Tirol lässt Bund und Land nun Initiative ergreifen. Fast 80% der Gewerbetreibenden berichten über großen Mangel bei Fachkräften und vor allem Lehrlingen. Noch immer ist bei Eltern der Leitsatz tief verankert – Schule gehen,  Matura machen ist besser als eine Lehre. Und das bei einem aktuell hochgradigen Fachkräftemangel und weitaus besseren Verdienstmöglichkeiten als Facharbeiter, als zum Beispiel nach einer Schule mit Maturaabschluss.
Dieser traditionellen Einstellung liegen vielfach Missverständnisse zugrunde, denen wir hier mal auf den Grund gehen möchten. 

Missverständnis Nummer 1: Lehre ist Arbeit, Schule ist Bildung!

Missverständnis Nummer 1 ist auch in der heutigen Zeit noch, dass eine Lehre als Arbeit angesehen wird und nur die Schule als Bildung. Viele Eltern sehen die Gefahr, dass Ihre Kinder nach der Lehre sich nicht mehr weiterentwickeln können und keine guten beruflichen Aussichten haben. Dabei haben Lehrlinge schon während der Lehre viele Möglichkeiten eine Zusatzausbildungen, wie die Lehre mit Matura, die Meisterausausbildung oder auch die Unternehmerprüfung zu starten.  Auch mit einer abgeschlossenen Lehre gibt es die Möglichkeit auf einer Fachhochschule Kurse zu besuchen und einen Abschluss zu machen. Mit Maturaabschluss hat man sicher weniger berufliche Chancen  als mit einer abgeschlossenen Lehre, bei der man ja bereits Berufserfahrung mitbringt, was von Unternehmen besonders geschätzt wird.

Missverständnis Nummer 2: Mit einer Lehre verdient man weniger und hat weniger gute berufliche Aussichten.

Ein Lehrabschluss ist in vielen Fällen das  Sprungbrett zu einem attraktiven Karrierestart. In den ersten Berufsjahren liegen die Gehälter mancher Lehrberufe sogar höher als die von einigen Akademikern in der selben Altersgruppe, vor allem in technischen Berufen gibt es sehr hohe Einstiegsgehälter. Wenn man sich dann noch weiterbildet oder sogar studiert, schnellt die Gehaltsspirale noch mal kräftig in die Höhe.

Maturanten ohne Studium sind die großen Verlierer, sowohl bei der Dauer der Jobsuche, sowie auch beim Einstiegsgehalt.
Man kann an Hand von verschiedenen Statistiken sehen, dass nur jeder Fünfte mit der AHS als höchsten Abschluss innerhalb von drei Monaten einen Job bekommt, 40 Prozent suchen nach mehr als einem Jahr noch immer – das entspricht praktisch dem Wert von Personen mit nur einem Pflichtschulabschluss. Beim monatlichem Einkommen wird der Unterschied noch krasser. Das Einstiegsgehalt für AHS-Maturanten liegt weit unter dem Einstiegsgehalt von Lehrabgängern und Facharbeitern.

einstiegsgehalt facharbeiter maturant

 

Missverständnis Nr.3: Lehre mit Matura ist keine richtige Matura…

Viele junge Menschen wissen mit 15 oder 16 Jahren noch nicht was sie in Ihrem Leben machen wollen und welche Berufsrichtung sie einschlagen wollen. Da gibt es einmal klassisch Schule, Matura – und andererseits eine Lehre, die man seit 2008 auch mit einer Matura ergänzen kann. Diese Matura ist gleichwertig mit einer AHS  oder BHS Matura, das heißt man kann als Lehre und Matura Maturant/in alles das machen, was zum Beispiel HAK Maturant/innen oder ein AHS Abgängern möglich ist:

  • Mit einer Lehre mit Matura kann man in Österreich studieren und zwar jede Fachrichtung.
  • Lehre mit Matura ist eine vollwertige Matura und keine Studienberechtigungsprüfung.
  • Mit Lehre und Matura hat man Anspruch auf höhere Bezahlung, wenn man eine dementsprechende Position erhält.
  • Mit der Lehre und Matura hat man bereits Teile der Meisterprüfung und der Unternehmensprüfung inkluidiert bzw absolviert.

Fakt ist, dass Lehre und Matura Maturant/innen in der Regel keine klassischen „Vollzeitstudenten“ werden.  Sie sind es gewohnt arbeiten und zu lernen und so starten viele nach ein, zwei Berufsjahren ein berufsbegleitendes Studium an einer Fachhochschule oder machen zusätzlich noch die Meisterprüfung. Die meisten Lehre und Matura Absolvent/innen bleiben im Betrieb und möchten auch dort Karriere machen bzw. streben bessere Aufstiegschancen an.

Es gibt in Tirol über 3400 Ausbildungsbetriebe, in denen man über 200 verschiedene Lehrberufe lernen kann. Der große Vorteil bei einer Lehre ist, dass man die Matura nebenbei machen kann, aber schon sein eigenes Geld verdient. Mit der Matura hat ein ausgebildeter Lehrling viel größere Chancen auf eine Beförderung was mit steigendem Gehalt einhergeht. Wer als ausgebildeter Lehrling sogar ein Studium abschließt hat mit seiner langjährigen Berufserfahrung die besten Aussichten am Arbeitsmarkt.

Lehrlingskoordinator in Tirol

Die Wirtschaftskammer Tirol will nun diesen Missverständnissen entgegenwirken und beauftragt David Narr zum  sogenannten “Lehrlingskoordinator“. Er soll das Image der Lehre verbessern: „Ich habe selbst eine Lehre gemacht und weiß, dass es immer noch Ressentiments gegen die Lehre gibt. In Wahrheit sind Lehre und Schule gleich gut. Wir wollen alte Bilder brechen und das Image der Lehre, wie auch die Lehre an sich, nachhaltig verbessern.“ Auch die Qualität der Lehre soll aufgewertet werden: „Wir müssen die Lehre qualitativ hochwertiger machen und den höchsten Bildungsstandard gewährleisten. Eine gute Ausbildung ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Leben“, meint Narr.

Falls du dich für Lehre und Matura interessierst kontaktiere uns!

 

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